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Die Welt nach Corona

D.F. Bertz , Bertz + Fischer Verlag GbR

2020

500 Seiten, kartoniert

Von den Risiken des Kapitalismus, den Nebenwirkungen des Ausnahmezustands und der kommenden Gesellschaft.

Die Corona-Pandemie bestimmt in weiten Teilen der Welt die politische, ökonomische und gesellschaftliche Realität. Nicht weniger gravierend ist die von den Lockdowns ausgelöste Weltwirtschaftskrise.

 

Das Bild ist geprägt von autoritären Notfallmaßnahmen und diktatorischen Ermächtigungen. Die Protestbewegungen und Aufstände rund um die Welt - vom Libanon über den Irak bis nach Chile -, die Anfang des Jahres noch die Schlagzeilen füllten, sind durch patrouillierende Militärs auf den Straßen (vorerst) gestoppt worden. Aber auch in der Bundesrepublik sehen sich Demonstrant innen, die sich unter strikter Einhaltung der Abstandsregeln für die eine humane Flüchtlingspolitik einsetzen - auch in den überfüllten Lagern an der türkisch-griechischen Grenze droht eine Covid-19-Katastrophe -, mit einem entfesselten Polizeiapparat konfrontiert.

 

Zudem offenbart der Corona-Notstand wie unter einem Vergrößerungsglas die Absurditäten und Ungerechtigkeiten einer auf Gewinnmaximierung und Konkurrenz basierenden Wirtschaftsordnung. Das beginnt schon bei der Entstehung "zoonotischer" Viren, die, wie SARS-CoV2 (und seine Vorgänger) vom Tier auf den Menschen übertragen werden: die profitgetriebene agrarindustrielle Expansion schränkt den Lebensraum von Tieren immer mehr ein und macht so das Entstehen von Viren, die die Artgrenze überspringen, zunehmend wahrscheinlicher. Die schnelle Verbreitung von Corona rund um den Erdball findet ihre Ursache in der neoliberalen Globalisierung, die den grenzüberschreitenden Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Menschen und nun auch Viren enorm beschleunigt hat. Und dass Covid-19 in einigen Ländern solch dramatischen Folgen zeitigen konnte, liegt auch an den kaputtgesparten Gesundheitssystemen. Die verheerendste Katastrophe steht der Welt möglicherweise allerdings noch bevor, wenn das Virus die Slums in den Mega-Cities im Globalen Süden erreicht.

 

Die Beiträge des Buches leuchten die wichtigsten Facetten der Corona-Krise, der Lockdown-Politiken und Exit-Strategien in kapitalismus- und herrschaftskritischer Perspektive aus. Zudem analysiert das Buch die ökonomischen Aspekte der Krise: Was hat Corona damit zu tun, dass die globale Verwertungsmaschinerie ins Stocken geraten ist? Wem nützen die gigantischen Rettungsschirme und Staatsinterventionsprogramme? Was bedeuten das Virus-Desaster und der Kollaps der Weltwirtschaft für die Länder der Peripherie, wo Hunderte Millionen Menschen ihre Jobs verlieren werden und zudem die einfachsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Pandemiebekämpfung fehlen?

 

Aufgrund des Corona-Schocks haben neoliberale Globalisierung und Markt-Fetischismus an Legitimationskraft eingebüßt. Zudem haben sich Diskursverschiebungen ergeben, wenn nun nicht mehr die Deutsche Bank als "systemrelevant" eingestuft wird, sondern Pflegekräfte. Die große Mehrheit der Bevölkerung trägt die gravierenden "#FlattenTheCurve"-Einschränkungen mit, um Alte und Gefährdete zu schützen. Dass Autobauer zur Produktion nützlicher Güter gezwungen werden, verweist auf eine bedürfnisorientierte, demokratische Planung der Wirtschaft. - Eröffnen sich durch diese Momente neue Möglichkeiten für einen tatsächlichen Kurswechsel? Wie wäre der durchzusetzen, wenn sich solidarische, emanzipatorische Politik auch mittelfristig auf Fenster-Applaus und Online-Kundgebungen beschränken muss?

 

Klar ist: Die Weichen für die Zukunft werden neu gestellt: Welche Richtung dabei eingeschlagen wird, darüber werden die Auseinandersetzungen der nächsten Monate entscheiden. Der Band dokumentiert deshalb - in globaler Perspektive - auch Streiks, Initiativen und Proteste in Zeiten der Pandemie. Und im abschließenden Teil debattieren die Autorinnen Chancen und Anknüpfungspunkte, die sich progressiven Bewegungen beim Kampf für eine bessere Welt nach Corona bieten.

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